EU konkret – Schulpartnerschaft mit der Scuola d`Arte in Vigo di Fassa

 

Das orangerote Erglühen des Rosengartens in der Abenddämmerung konnten wir auf der Hinfahrt bewundern, ebenso den Karersee unterhalb des Karerpasses. Nach dem Einchecken in unserem Appartementhotel, einem gemeinsamen Abendessen und erholsamen Schlafe waren wir gespannt auf den nächsten Tag. Signore Valentini, stellvertretender Schulleiter unserer Partnerschule „Giuseppe Soraperra“, begrüßte uns herzlich mit einer kleinen Vorstellung seiner Schule und der Ladinischen Sprache.

 

Signore Deflorian und Signora Desilvestro, unsere künstlerischen Begleiter der nächsten Tage, erklärten uns unsere anstehende Schnitzaufgabe. Wir sollten tatsächlich eine Kopie von einem Akanthusblatt schnitzen, obwohl bisher nur einer von uns mit dem Schnitzen Erfahrungen hat! Nach ersten Zweifeln ging es frisch an die Arbeit. Zuerst war es wichtig, dass wir uns zeichnerisch mit dem Akanthusblatt auseinandersetzen, damit wir die Form des Motivs verstehen mit ihren Bewegungen bzw. Licht und Schatten. Nach der Erstellung der Pause mit Kohlepapier unseres gezeichneten Motivs auf einer Zirbelholzplatte und dem seitlichen Anzeichnen der maximalen Schnitztiefe unseres Akanthusblattes ging es dann richtig los.

 

Mit Hilfe unserer italienischen Lehrer, die uns jeden Schritt ausführlich erklärten, bei der Schnitzrichtung Hilfestellungen gaben und uns bei der Auswahl des Schnitzeisens für den entsprechenden Arbeitsschritt halfen, näherten wir uns langsam unserem Motiv an. Zuerst wurden alle tiefen Stellen des Reliefs abgetragen, dann näherten wir uns vorsichtig den Umrissen des Akanthusblatts. Ziel war es, eine saubere senkrechte Schnittkante als Umrundung des Werkstücks zu erzeugen. So teilten wir danach unser Werkstück in verschiedene Ebenen und Flächen ein, um die Höhen und Tiefen des Akanthusblattes an sich festzulegen. Wir trugen an tiefen Stellen viel Holz, an hohen Stellen wenig Holz ab und erarbeiteten Stück für Stück die Rundungen. Somit entstand nach und nach eine dreidimensionale Skulptur, an der mit der Zeit immer feinere Strukturen erkennbar waren und die Oberfläche von uns begradigt wurde. Nach drei Tagen konnten wir zwar noch nicht unser Werk vollenden, aber unser Akanthusblatt sah schon richtig gut aus und unsere anfänglichen Zweifel waren kein Thema mehr.

 

Neben unseren Schnitzarbeiten gab es viele Gelegenheiten für Ausflüge. Einen Tag lang waren wir mit einer Klasse unserer Partnerschule in der Landeshauptstadt vom Trentino, in Trient, wo wir den Dom mit dem angrenzenden Domplatz und die vielen mit zahlreichen Fresken bemalten Häuserfassaden bewunderten. Außerdem waren wir an diesem Tag in Rovereto, wo wir eine Boccioni-Ausstellung mit ca. 180 ausgestellten Werken des Vaters der futuristischen Malerei, Umberto Boccionis, im MART (Kunstmuseum) ansahen. In einer Schokoladenmanufaktur bekamen wir danach einen Einblick in die Herstellung von delikater Schokolade. Es wurden kleine Kostproben gereicht, die wir sehr genossen.

 

Am letzten Tag besuchten wir die 1452 geweihte Wallfahrtskirche von Santa Giuliana nicht weit von unserer Schule, die etwas über dem Ort liegt. Die kleine frühgotische Kirche beherbergt neben einem großen Wandfresko, welches die Geschichte der Heiligen Giuliana erzählt, auch ein beeindruckendes, hölzernes Hauptaltarretabel. Der Abstieg zurück ins Tal führte uns in das Ladinische Museum, das Besuchern und Einheimischen Geschichte und Kultur, die Ursprünge, das Gemeinwesen und natürlich die reichen Sitten und Bräuche des Ladinischen Volkes näherbringen.

 

Zusammengefasst war es eine sehr schöne Exkursion. Die Erwartungen von uns wurden mehr als erfüllt. Von der Schönheit der Landschaft konnten wir uns bei mehreren Ausflügen überzeugen. Auch unsere Rückfahrt mit Halt in Bozen gab der Reise noch einen schönen Abschluss. Die Reise wird jedem von uns in bester Erinnerung bleiben.